Zur Person:  Dr. phil. Jürgen Schmidt-Pohl

1967

Dr. Jürgen Schmidt-Pohl lebt nach der Vertreibung aus seiner Wohnung in Warnemünde als freier Autor seit November 2010 wieder in Schwerin.
Geboren 1945 in Schwerin/Mecklenburg. Nach Schulbesuch und Tätigkeiten in verschiedensten Arbeitsberufen begann er als Jürgen Pohl 1966 eine Umschulung im Volksbuchhandel Schwerin, mit dem Ziel des Buchhändlerabschlusses.
Während der Ausbildung kam es 1968 zu seiner ersten Verhaftung durch das MfS, der die Verurteilung wegen „staatsfeindlicher Hetze und Propaganda“ zu zwei Jahren Haft, mittlere Strafkategorie, folgte.
Im Aug. 1969 kam es nach der Haft im Zuchthaus Cottbus erneut zu seiner Beschäftigung im Volksbuchhandel Schwerin, wiederum mit dem Ziel des Buchhändlerabschlusses. In dieser Zeit – Mai 1971 – wurde ein Berufsverbot gegen ihn ausgesprochen, er absolvierte den Buchhändlerabschluß 1972 extern mit der Gesamtnote 1,6.
Die Lebenssituation wurde derart eingeschränkt und bedrohlich, so daß sich Jürgen Pohl seit dieser Zeit schriftlich um seine Ausbürgerung und Ausreise aus der DDR bemühte.

1974 wurde er erneut durch das MfS verhaftet, wegen angeblicher staatsfeindlicher Kontaktaufnahme mit dem Ziel, die DDR ungesetzlich“ zu verlassen, versuchten schweren Grenzdurchbruchs, schwerer Hetze und Propaganda im Rückfall. Nach fast einem Jahr U-Haft in den Stasi-Bezirksverwaltungen Schwerin und Berlin wurde er zu fünf Jahren Haft verurteilt.

Im Zuchthaus Cottbus kam es zu einer Netzhautablösung am rechten Auge durch schweres Heben bei erpreßter Zwangsarbeit. Nach zweiter, erfolgreicher Netzhautoperation wurde er dann ins Zuchthaus Cottbus zurücküberführt, wo ihn dann ein Strafvollzugsangehöriger so schlug, daß sich die erfolgreich operierte Netzhaut erneut ablöste. Eine weitere Netzhautoperation wurde von der Uni-Augenklinik damals abgelehnt, was zur Erblindung seines besten Auges führte

Wenige Monate später, Weihnachten 1975 kam es zum Freikauf in die Bundesrepublik.

1974

Jürgen Pohl ging nach Hannover, arbeitete hier im Schallplatten- und Buchhandel und besuchte die Volkshochschule, die er 1977 erfolgreich mit der Hochschulreife abschloß. Mit dem Wintersemester 1977 begann er an der Uni Hannover mit dem Studium der Rechts- und Politikwissenschaft. 1979 nach dem Vordiplom wechselte er zur Freien Universität Westberlin. Hier legte er Ende 1982 seine mündliche Diplomprüfung ab, mit Erfolg. Das Thema der schriftlichen Diplomarbeit lautete: „Ist das kommunistische Herrschaftssystem reformierbar?“ Im Ergebnis wurde dies von ihm negativ beantwortet.

Wegen fehlender beruflicher Aussicht als Diplom Politologe entschloß sich Jürgen Pohl zu weiterführenden Studien an der FU, so am Osteuropa-Institut, am Otto-Suhr-Institut, u.a. Er belegte Vorlesungen und Doktorandenseminare der Gebiete Rechtswissenschaft, Soziologie, Philosophie und Publizistik – mit dem Ziel der Promotion.
In dieser Zeit begann er mehrere freie Mitarbeiten als Autor für Musik- und HiFi-Zeitschriften.
Ab 1986 Doktorand bei Professor Dr. Helmut Wagner, mit dem Promotionsthema „Demokratisierungs- strategien für den Ostblock“.
Durch die „Wende“ 1989 wurde die noch nicht abgeschlossene Dissertation zur Makulatur.
Durch die Vermittlung eines alten Bekannten aus Schwerin kam es 1991 zur Einstellung als Pressesprecher in der CDU-Landtagsfraktion M-V in Schwerin.
Ab Mai 1991 Beginn der ehrenamtlichen Tätigkeit als Opferverbandsvorsitzender politischer Häftlinge der SED-Diktatur. Jürgen Pohl gründete bis Ende 1991-vier VOS-Bezirksgruppen für ehemalige politische Häftlinge in Mecklenburg-Vorpommern und wurde zum Landesvorsitzenden dieser SED-Opferorganisation gewählt. Im Sommer 1991 verwirklichte er seine Idee einer Ausstellung des graphischen Werks von Wilhelm Sprick im Schweriner Justizpalast und ehemaligem Sitz der Stasi „IN Memento der namenlosen Toten und Gedemütigten des stalinistischen Terrors“. Ebenfalls gab Jürgen Pohl, als CDU-Pressesprecher und VOS-Bezirksgruppenvorsitzender Schwerin einen Ausstellungskatalog dazu heraus. In dessen Geleitwort schrieb er, daß mit diesen Bildern der herrschende Zeitgeist in den neuen Bundesländern – sich als Opfer der SED-Diktatur zu fühlen oder auszugeben – als Anmaßung enttarnt sei. Denn wer zuallererst die Opfer der vergangenen SED-SBZ-DDR-Diktatur gewesen waren, das zeigten diese Bilder voll Schmerz und Trauer: die politischen Häftlinge in den Lagern und Gefängnissen von 1945 bis zur „Wende“ 89!
Als VOS-Landesvorsitzender setzte er den Anspruch der politischen Haftopfer der SED-und Stasi-Diktatur von 1992-95 durch, mit dem erfolgreichen Kampf für Gedenktafeln an den ehemaligen Stasi-Bezirksverwaltungen Schwerin und Rostock und an der Stasi-Kreisdienststelle Stralsund.
Ende 1991 Kündigung durch die CDU-Landtagsfraktion. Angebot von dort zur Erarbeitung einer Landesgeschichte der CDU. Dieser Auftrag wurde 2002 durch Dissertation und Promotion zur „Sichtbaren und geheimen Parteitransformation der CDUD von 1945-1969“ und nachfolgender Buchveröffentlichung erfolgreich abgeschlossen. Doch trotz wissenschaftlicher Bewertung der Dissertation durch die Professoren der FU Berlin Helmut Wagner und Manfred Wilke mit „magna cum laude“ war die CDU-Landtagsfraktion mit dem Ergebnis der Arbeit nicht zufrieden und distanzierte sich von ihr. Seit 1998 nahm Jürgen Pohl den Doppelnamen Schmidt-Pohl aus familiären Gründen an.
In der ehrenamtlichen SED-Opferarbeit unter anderem Mitglied der Enquetekommission des Landtags von Mecklenburg-Vorpommern zur DDR-Geschichte 1995/96. Schmidt-Pohl beendete sein Mandat vorzeitig wegen der Weigerung der PDS zu einer wahrheitsgemäßen Vergangenheitsaufarbeitung, da sie einer Ausstellung des Bundesjustizministeriums zur politischen Justiz der DDR nicht in M-V zustimmte und diese mit ihrer Ablehnung vorläufig verhinderte.
von 1994-96 Mitglied im Bundesvorstand der „Vereinigung d. Opfer des Stalinismus e.V.“ – VOS –. Schmidt-Pohl legte hier durch seine Arbeit und Artikel in der „Freiheitsglocke“, dem Verbandsblatt der VOS die theoretischen und argumentativen Grundlagen für die Forderung nach einer SED-Opfer-Rente für politische Haftopfer, analog der NS-Ehrenrente, die der bundesdeutsche Staat durch Einigungsvertrag in Höhe von monatlich ca. 700 € an Betroffene dieses Personenkreises zahlt.
Von 1992-98 als VOS-Landesvorsitzender Mitglied des NDR-Rundfunkrats.
1998 Rücktritt von allen VOS-Funktionen wegen der innerorganisatorischen Intrige eines wirtschaftskriminellen Heckenschützen gegen seine Person und wegen des unredlichen Umgangs mit der Stasi-Vergangenheit durch die Vereinsführung und des Unterdrückens der Diskussion zu Stasi-Belastungen von VOS-Funktionsträgern und deren konsequenzloser Stasi-Involvierung. Schmidt-Pohl war auf der VOS-Generalversammlung 1996 mit seinem Antrag zur Stasi-Überprüfung aller Funktionsträger in der VOS gescheitert, seinen Antrag hatten nur vier von über einhundert Delegierten unterstützt!
April 1998 Gründung der „Vereinigung politisch Verfolgter und Widerständler der SED-Diktatur DDR“ – VPV –.
Beginn der Diktatur-Vergangeheitsaufarbeitung durch die Aufarbeitungsinitiative Deutsches Gedächtnis und die Gründung des Verlags SCHWARZBUCH-ARCHIV Schwerin.
Seit 1998 wurde für Schmidt-Pohl die „DDR-Haftzwangsarbeit“ ehemaliger politischer Gefangener zum Schwerpunktthema, denn weder Wissenschaft noch Politik sehen hierin – bis heute – ein zu rehabilitierendes und zu restituierendes SED-Unrecht.

2009

Folgend bis 2004 Veranstaltungen zum Thema und mehre Buchveröffentlichungen im SCHWARZBUCH-ARCHIV, woraus seit 2002 ein Klägerkreis zur Durchsetzung der Anerkennung der DDR-Haftzwangsarbeit entsteht, durch Initiative und unter Vorsitz von Schmidt-Pohl. Zwei Rechtsgutachten wurden in Auftrag gegeben und RA von Raumer übernahm die Vertretung von zwei Pilotverfahren in dieser Sache.
Diese scheiterten jeweils beim OLG Magdeburg und Rostock, trotz eines eigens hierfür erstellten Rechtsgutachtens von RA Peter Neumann.
Einzig die Klage von Schmidt-Pohl ist noch beim europäischen Gerichtshof für Menschenrechte – EUGH Strasbourg – seit 2007 anhängig. Soeben wird vom EUGH f. Menschenrechte Strasbourg mitgeteilt, daß die Beschwerde von Dr. Schmidt-Pohl im Jan. 2010 abgewiesen wurde. Bei Interesse dazu „Aktuell“ klicken.
Durch Burn-out, familiäre Zwänge und einschränkende gesundheitliche Probleme beendete Schmidt-Pohl 2005 jede weitere SED-Opfer-Verbandsarbeit und damit kamen auch die Aktivitäten für das SCHWARZBUCH-ARCHIV zum Ende.

Nach zahlreichen Augenoperationen 2006/2007 mit nur mäßigem Erfolg und nach relativer Gesundung schrieb Schmidt-Pohl 2008/2009 seine Rechenschaft, als dokumentarischen Roman „Traum vom Finden“.

2015

Mit der Gründung des POHLIT Verlags für Literatur und Politik im Jahre 2009 war die Grundlage für die Herausgabe weiterer Bücher geschaffen.
Es wurden in den Jahren 2009-2011 die drei Bände der „Herzwangen-Trilogie“ verlegt, die Schmidt Pohl in dieser Zeit schrieb: „Traum vom Finden“, „Herzwangen“ und „Das Unauslöschliche“.
Daran schloß sich 2012 der Roman „Gesetz der verborgenen Zeit“ an.
2013 folgte „Davids Stern“, Roman einer jüdischen Jugend und Findung in der DDR des Jahres 1967-68.
Im Frühjahr 2014 erscheint der Band „Von Krise zu Krise“, eine Sammlung elegischer Texte und Gedichte der letzen zehn Jahre von Schmidt-Pohl zusammengefasst.
Schon im Herbst 2014 folgte der zweite Lyrikband mit dem Titel "Geheimnisse der Reise".
Im Frühjahr 2015 erscheint der Prosaband "Verlierer in Zeiten nicht erklärter Kriege"
Im Herbst 2015 erscheint als BLAUBUCH 9 der Gedichtband "Brennen werden meine Träume".

Anfang 2016 veröffentlichte Schmidt-Pohl den Prosa- Lyrik und Essayband „Flamme und Irrlicht“, der sich u.a. mit den politischen Gegebenheiten durch die große Flüchtlingsbewegung aus Kriegsgebieten nach Europa und vor allem Deutschland auseinandersetzt. Ende 2016 erschien Band 11 der Blaubuch-Edition „Irgendwann in Tibet oder ex oriente lux“. Es ist der zweite Helge Leinenfeld Roman, nach „Gesetz der verborgenen Zeit …“ und erzählt, über den gefährdeten Zustand der Welt am Beispiel Tibets und vom Tod Herzwangens.

Gegenwärtig - Juni 2017 - arbeitet Jürgen Schmidt-Pohl an zwei weiteren Buchprojekten. Wieder wird es ein Sammelband mit Prosa, Lyrik und Bemerkungen zur Zeit sein und ein weiterer Leinenfeld-Roman, dessen Reise diesmal nach Frankreich und in den Nahen Osten führt, hinein in das Kriegsgeschehen Syriens und des Irak

Im April 2018 erschien als eBook bei Amazon der Prosa- und Lyrikband „Täuschungen oder Von der Abnutzung der Gefühle“ als Band 12 der BLAUBUCH Edition.

Mitte Oktober 2018 lag dann “Flieder, Lavendel und Geruch des Todes” als BLAUBUCH 13, Printausgabe mit ISBN und als Kindle-Ebook bei Amazon, vor und wurde auf der Leipziger Buchmesse 2019 präsentiert.

Seither arbeitet Schmidt-Pohl am Band 14 der BLAUBUCH-Edition mit dem Titel “Wieder nur im Kreis herum”, eine Sammlung von Gedichten und Prosa. Daneben schreibt er an einem weiteren Band mit dem Arbeitstitel “Wolfsmondnächte” über Helge Leinenfeld und seine Erfahrungen und Abenteuer mit dem Islam und einer seiner Sekten in Europa.

Alle Prosa Bände der Blaubuch-Edition sind bei Amazon als EBooks erschienen und dort neben den Buchausgaben des POHLIT-Verlags lieferbar sowie im gesamten deutschsprachigen Buchhandel und beim POHLIT-Verlag.